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industrial workers of the world im deutschsprachigen raum
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Heraus zum 1. und 2. Mai!

木曜, 04/24/2008 - 10:56am

Die Aktion Zahltag findet am 2. Mai 2008 am und im Kölner Arbeitsamt statt / Widerstandscamp + Party zur Vorbereitung am 1. Mai

“Zahltag!” ist eine Aktion, die in unregelmäßigen Abständen zum Monatsanfang in Kölner Arbeitsämtern stattgefunden hat. Es geht darum in einer stichpunktartigen Massenaktion Protest und Widerstand in die Arbeitsämter und Armutsverwaltungen zu tragen. Zahltag macht sich die Erfahrung zu eigen, dass am Monatsanfang viele auf ihr Geld von Amt warten oder gerade erst festgestellt haben, dass sie gesperrt wurden, Leistungen gekürzt wurden. Die ohnehin schlechte Stimmung ist am Monatsanfang auf den Ämtern noch beschissener.

Schluss mit ARGE(n)-Schikanen!
Diesmal haben die Kölner Arbeitslosen und ihre SympathisantInnen einen größeren Anlauf geplant. Zahltag findet am 2. Mai, einem Brückentag, statt. Am 1. Mai gibt es ein Camp auf den nahe gelegenen Uni-Wiesen, Live-Musik, Disko, Vokü. Nach einer Übernachtung wird die versammelte kritische Masse dann zum nahegelegenen Hochhaus des Arbeitsamtes marschieren.

Donnerstag, 1. Mai 2008, ab 18 Uhr: Camp auf den Uni-Wiesen
Ort: Luxemburger Str. / Haltestelle Eifelstraße (U18)

Freitag, 2. Mai, 7 bis 14 Uhr: Aktion Zahltag!
offene Hartz-IV-Beratung / Beschwerdestelle / öffentliche Versammlung / Musik + Volxküche
Ort: Arbeitsamt Köln-Mitte, Luxemburger Str. 121 (U18 Weißhausstraße)
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Links / Infos: “Zahltag!” bei labournet (Aktueller Aufruf und Dokumentation bisheriger Aktionstage)

カテゴリ: IWW News and Events

Welcome to the Hobo Jungle!

火曜, 04/15/2008 - 3:39pm

Revolutionsliederabend und Tanz in den Mai am 30. April 2008 in Köln
Christine und Daniel legen revolutionäres Liedgut auf. Es soll getanzt werden.
Vorprogramm: THE GRAND INDUSTRIAL BAND - Die neugegründete Band der IWW spielt Songs von Joe Hill und T-Bone-Slim.
Es werden Texte aus der IWW-Geschichte vorgetragen (u.a. von Big Bill Haywood, Louis Adamic, Augustin Souchy).

Ort: Connection, Marienstraße 5, 50825 Köln-Ehrenfeld
Beginn: ab 21Uhr

カテゴリ: IWW News and Events

Die großen Streiks: Episoden aus dem Klassenkampf

火曜, 04/15/2008 - 3:01pm

Lesereise durch Deutschland vom 18.April - 22.Mai 2008 / Buchvorstellung

In einer Veranstaltungsrundreise werden die Herausgeber Holger Marcks und Matthias Seiffert ihr im April beim Unrast Verlag erscheinendes Buch vorstellen, das aus einer Artikelserie in der anarchosyndikalistischen Zeitung “Direkte Aktion” hervorgegangen ist.

Das Buch “Die großen Streiks” umfasst eine Reihe von bedeutenden und kämpferischen Streiks des 20. Jahrhunderts, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Vom einfachen Lohnkampf bis zum Generalstreik, vom Erfolg auf ganzer Linie bis zum totalen Fiasko. Darunter finden sich auch Artikel zum ersten großen Massenstreik der IWW im Jahre 1909 bei der Pressed Steel Car Company in McKees Rocks / Pennsylvania.

Erfasst werden dabei die verschiedenen Phasen und Formen des Arbeitskampfes. Es werden die Ereignisse und Entwicklungen dargestellt, die Hintergründe erläutert und durch Porträts der ProtagonistInnen vertieft.

Die geschilderten Arbeitskämpfe stehen exemplarisch entweder für bestimmte Streikformen oder für die Konflikte der ArbeiterInnenbewegung in einer bestimmten Phase oder Region. Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt dabei auf den Spannungsfeldern von Basis und Gewerkschaftsführung sowie deren (widersprechenden) Interessen und Strategien.

Mit Beiträgen von: Felix Baum, Osvaldo Bayer, Jon Bekken, Jan Benger, Jérémie Berthuin, Sylvie Chauvet, Helge Döhring, Heiko Grau-Maiwald, Tamara Jagelovsk, Holger Marcks, Lou Marin, Rudolf Mühland, Lars Röhm, Michael Schmidt, Matthias Seiffert, Heiner Stuhlfauth, Nicole Ulrich, Lucien van der Walt, Klaus Weller und Mathias Wittau.

Termine:

18.4. Berlin, 20.00 Uhr
FAU-Lokal, Straßburger Str. 38
VeranstalterInnen: FAU Berlin

22.4. Potsdam, 20.00 Uhr
Kontext, Herrmann-Elflein- Str. 32
VeranstalterInnen: FAU Potsdam

24.4. Berlin, 19.00 Uhr
BAIZ, Christinenstr. 1
VeranstalterInnen: BAIZ

26.4. Leipzig, 17.00 Uhr
Gießer16, Gießerstr. 16 (im Rahmen des Gießerfestes)
VeranstalterInnen: FAU Leipzig / Gießerfest

1.5. Hannover, 15.00 Uhr
UJZ Kornstraße, Kornstr. 28-30
(im Rahmen des 5. sozialrevolutionä ren
1.Mai-Festes der FAU Hannover)
VeranstalterInnen: FAU Hannover

2.5. Neustadt a.d.W., 19.30 Uhr
Wespennest, Friedrichstr. 36

3.5. Saarbrücken / St. Ingbert, 18.00 Uhr
JUZ St. Ingbert, Pfarrgasse 49
VeranstalterInnen: Initiative FAU Saarbrücken

4.5. Mannheim, 20.00 Uhr
ArbeiterInnen- Sportverein, Beilstr. 9
VeranstalterInnen: Anarchistische Gruppe Mannheim

5.5. Landau, 19.00 Uhr
Akropolis, Königstr. 20

6.5. Frankfurt
[Ort und Uhrzeit stehen noch nicht fest]

7.5. Marburg, 20.00 Uhr
Havana 8, Lahntor 2
VeranstalterInnen: Linke Fachschaft 03 Marburg

8.5. Bremen, 20.00 Uhr
Naturfreundehaus, Buchtstr. 14-15
VeranstalterInnen: FAU Bremen

13.5. Kiel, 19.30 Uhr
Alte Meierei, Hornheimer Weg 2
VeranstalterInnen: FAU Kiel

14.5. Oldenburg, 20.00 Uhr
Alhambra, Hermannstraße 83
VeranstalterInnen: Alhambra

15.5. Bielefeld, 19.30 Uhr
AJZ (Kinosaal), Heeper Str. 132
VeranstalterInnen: FAU Bielefeld

17.5. Münster, 20.00 Uhr
Don Quijote, Scharnhorststr. 57
VeranstalterInnen: FAU Münster

18.5. Düsseldorf, 18.00 Uhr
Kulturcafé Solaris, Kopernikusstr. 53
VeranstalterInnen: FAU Düsseldorf

19.5. Aachen, 20.00 Uhr
Welthaus, An der Schanz 1
VeranstalterInnen: FAU Aachen

20.5. Duisburg, 20.30 Uhr
Djäzz, Börsenstr. 11
VeranstalterInnen: FAU Duisburg / Indymedia Kino

21.5. Bonn, 20.30 Uhr
Netzladen, Wolfstr. 10 (Hinterhaus)
VeranstalterInnen: FAU Bonn

22.5. Köln, 20.00
Allerweltshaus, Körnerstr. 77-79
VeranstalterInnen: IWW Köln

カテゴリ: IWW News and Events

Krise, Kollaps, Kapitalismus

土曜, 03/29/2008 - 7:59am

Ein Wochenend-Theorie-Seminar am 17. und 18. Mai 2008 in Köln

Die IWW Köln veranstaltet im Mai ein Theorieseminar, zu dem alle interessierten ArbeiterInnen, Linken, GewerkschafterInnen etc. herzlich eingeladen sind.

Worum es geht
Die Zeit ist reif. „Das große Zittern geht weiter“, schreibt die Frankfurter Allgemeine am 25.3.2008, und in ihrer Oster-Ausgabe 2008 verkündet das Sprachrohr der Kapitalisten, das globale Finanzsystem befinde sich in der „schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Noch pfeifen die Geldsäcke im dunklen Wald eifrig Melodien, die ihnen und ihren Anlegern Mut machen sollen - und machen es dadurch auch für uns schwer, die wirklichen Dimensionen und möglichen Auswirkungen dieser Krise zu verstehen, die sich offensichtlich mit einer zunehmenden politischen Krise der kapitalistischen Herrschaft verbindet.

Daher wollen wir an einem Wochenende im Mai in Köln genauer über die Hintergründe der sogenannten „Subprime-Krise“ diskutieren. Das Seminar soll sowohl denjenigen einen verständlichen Einblick geben, für die alles „Ökonomische“ – was immer das sein soll – ein Buch mit sieben Siegeln ist, als auch „geschulten Marxisten“ die Möglichkeit bieten, sich über die Vor- und Nachteile einer Krisenerklärung aus dem Fall der Profitrate oder den Grenzen der Reproduktionsschemata auszutauschen.

Damit dieser Spagat gelingen kann, erhalten alle angemeldeten TeilnehmerInnen bis Mitte April einen Reader mit einigen, wenigen Texten als gemeinsamer Grundlage. Außerdem regen wir an, dass sich TeilnehmerInnen auf einzelne Blöcke oder Fragestellungen vorbereiten und kurze Einführungsreferate einbringen – dafür werden wir ergänzende Lesevorschläge verschicken.

Wer sich anmeldet, kommt zudem in einen Email-Verteiler, auf dem wir ab jetzt aktuelle Meldungen zur Krisenentwicklung aus der (Fach-)Presse, Hintergrundberichte oder ergänzende Hinweise rumschicken werden, die für die Vorbereitung des Seminars hilfreich sind.

Weitere Infos über Anmeldung, Inhalte, Kosten, Ablauf etc. findet ihr über folgenden link: http://www.wobblies.de/seminare.

Anmeldeschluss
…ist der 10. April 2008.
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カテゴリ: IWW News and Events

Eine neue Art von Klassengesellschaft

木曜, 03/13/2008 - 4:08am

Zwischen sinkenden Reallöhnen und Abstiegsängsten einer schrumpfenden Mittelklasse verfestigen sich die sozialen Gegensätze

In der letzten Woche schienen alle Zeichen auf Sturm zu stehen: Warnstreiks im öffentlichen Dienst inklusive Lahmlegung des Frankfurter Flughafens und des öffentlichen Nahverkehrs, erneute Streikdrohungen der GDL, Arbeitskämpfe scheinen zunehmend Bestandteil der alltäglichen Normalität in Deutschland zu werden. Vor allem die jetzt nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen in die Schlichtung gehende Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst birgt Sprengstoff, denn ver.di steht unter massivem Erfolgsdruck. Nach selbstverschuldeten demütigenden Niederlagen in den letzten Jahren und angesichts starker Mitgliederverluste muss die Großgewerkschaft demonstrieren, dass auch sie in der Lage ist, einen Arbeitskampf konsequent zu führen.

Dass – im Gegensatz zu den harmlosen Ritualwarnstreiks vergangener Tarifrunden – diesmal wenigstens in einigen Städten tatsächlich ein Teil der öffentlichen Infrastruktur einen Tag lang real beeinträchtigt war, dürfte unter anderem auch auf das Beispiel der GDL zurückzuführen sein, die im Bahnstreik vorgeführt hatte, dass es möglich ist, Erfolge zu erzielen, wenn man bereit ist, dem Arbeitgeber einen wirklichen Schaden zuzufügen. Und auch die übliche Hetzkampagne, die in den Medien erfahrungsgemäß losbricht, wenn mal wieder streikbedingt Züge stillstehen oder Flüge ausfallen, fiel diesmal relativ moderat aus.

Zwar wurden auch diesmal wieder die üblichen Bilder von wütenden Pendlern gezeigt, die zu spät zur Arbeit kommen. Aber man zeigt ein gewisses Maß an Verständnis und sorgt sich um die auseinanderklaffende Schere zwischen Lohnentwicklung und Unternehmensgewinnen.

Klar, angesichts der letzten Managerskandale und meldungen über Massenentlassungen trotz Rekordgewinnen bei diversen Unternehmen wäre die volle Breitseite gegen die Gewerkschaften auch schwer vermittelbar. Und es mehren sich die Gutachten der Wirtschaftsinstitute, die von „schrumpfenden Mittelschichten“ (DIW) sprechen und auseinanderdriftende und zunehmend polarisierte Klassenlagen in Deutschland konstatieren.

Trotz des ideologischen Charakters solcher Studien lassen sich daraus aber auch Entwicklunglinien erkennen. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) bei der Hans-Böckler-Stiftung legte Anfang März einen Report vor, der zeigt, dass in den letzten drei Jahren trotz eines Anstiegs des Bruttoinlandsproduktes um sieben Prozent die Einkommen der privaten Haushalte insgesamt kaum gestiegen sind. Betrachtet man nicht die Einkommen insgesamt, sondern lediglich die Löhne der abhängig Beschäftigten, sanken die verfügbaren Einkommen sogar um 3,5 Prozent, während sie in der letzten Aufschwungphase zwischen 1998 und 2001 immerhin um 4 Prozent gestiegen waren.. In diesem Aufschwung stagnierte der Privatkonsum mit real plus einem Prozent. Im vorigen Zyklus war er real noch um gut sieben Prozent gewachsen.

Noch deutlicher als die Arbeitseinkommen sanken die realen staatlichen Transfers, also Renten, Sozialleistungen usw., an die privaten Haushalte, nämlich um fast sechs Prozent. Im vorigen Aufschwung waren die Leistungen noch um knapp vier Prozent gestiegen. Den Rückgang erklären die Ökonomen des IMK mit “Nullrunden bei den nominalen Renten, stagnierenden nominalen Leistungen bei Kindergeld, BaföG und anderen staatlichen Leistungen. Nur zu einem geringen Teil hat auch die niedrigere Arbeitslosenzahl dazu beigetragen.” Wenn man bedenkt, dass ein beträchtlicher Teil der niedrigeren Erwerbslosenzahlen statistischen Tricks, der Schaffung vcon Ein-Euro-Jobs und dem inzwischen im großen Stil entstandenen Niedriglohnsektor geschuldet ist, in dem gut 2,6 Millionen Menschen ergänzend Arbeitslosengeld II erhalten, weil sie von ihren Löhnen nicht mehr existieren können, ist das auch kaum ein Wunder.

Die Einnahmen von Unternehmern, Aktienbesitzern und anderen Kapitaleignern hingegen stiegen deutlich an. Die Gewinne der Unternehmen seien “geradezu explodiert”, so die Forscher des IMK. Die nominalen Bruttogewinne der Unternehmen wuchsen in diesem Aufschwung um 25 Prozent. Der Anteil der Bruttogewinnquote am Volkseinkommen stieg von 32 auf knapp 36 Prozent. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen ist nach der IMK-Analyse die Kehrseite der schwachen Entwicklung bei den Arbeitnehmereinkommen: “Letztlich konnte der Aufschwung von den Unternehmen für eine massive Umverteilung zu ihren Gunsten genutzt werden.”

An den unteren Einkommenssegmenten hingegen ist der Aufschwung weitgehend vorbeigegangen. Und zwar kräftig: Zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung haben kein oder nur geringes Vermögen, während das reichste Zehntel knapp 60 Prozent besitzt, wie eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Vermögensstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) unlängst ergeben hat. Das dem Unternehmerlager nahestehende Institut kam bereits im November 2007 zu dem Schluss, dass die Hälfte der erwachsenen Gesamtbevlkerung über keine oder nur geringe Markteinkommen verfügt, im Klartext: gerade einmal genug verdient, um damit bis zum Ende des Monats zu kommen.

Die historisch gesehen kurzen Zeiten scheinen voerst vorbei zu sein, in denen eine integrierte und abgesicherte ArbeiterInnenklasse von ihren Facharbeiterlöhnen Häuser bauen und Sparbeträge vererben konnte. Als dominierende Lebenslage schält sich auch in der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland wieder die des doppelt freien Lohnarbeiters heraus – frei von jedem über die materielle Reproduktion hinausreichenden Besitz. Mochte die soziologische Phrase von der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ schon in den fünfziger Jahren in erster Linie dazu gedient haben, die existierende Klassengesellschaft wegzudefinieren, so ist sie inzwischen endgültig auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet.

Dies bereitet auch den Wissenschaftslobbyisten der deutschen Industrie zunehmend Kopfzerbrechen. Im neuesten Wochenbericht des DIW sorgen sich die Wissenschaftler um die schrumpfende Mittelschicht, also jenes Teils der lohnarbeitenden Bevölkerung, der sich bisher der Vorstellung hingeben konnte, der klassischen Ungesichertheit proletarischer Lebenslagen dauerhaft entronnen zu sein. Sie stellten fest, dass seit 1992 der Anteil derjenigen mit mittleren Einkommen von 62 auf 54 Prozent zurückgegangen sei, wobei sie auch innerhalb dieses Segments ein deutliches Abrutschen der Einkommen nach unten feststellten.

Während solche Zahlen zunächst nur soziale Ungleichheit, nicht aber verfestigte Klassenunterschiede messen, zeigt sich im Weiteren ebenfalls eine Stabiliserung der Einkommensschichten. Während zwischen 1996 und 2000 nur rund 54 Prozent aller Armen auch nach fünf Jahren noch in dieser Einkommensschicht waren, traf dies für den Zeitraum 2002 und 2006 bei mehr als 66 Prozent zu. Auch am oberen Rand der Einkommenshierarchie konnten 69 Prozent ihren Einkommensstandard in den letzten 5 Jahren halten. Etwa 14 Prozent der „Mittelschicht“ des Jahres 2002 befand sich 2006 im freien Fall nach unten in Richtung Armutseinkommen. Besonders stark betroffen von diesem Abwärtstrend sind Alleinerziehende, die aufgrund der Schwierigkeit, Kindererziehung und Erwerbstätigkeit in Vollzeit zu vereinbaren, in der Gruppe der Armutsgefährdeten weit überdurchschnittlich vertreten und unter den Einkommensstarken nach Auskunft des DIW praktisch nicht mehr nachweisbar sind.

Insgesamt verringerten sich in den letzten Jahrne die ökonomischen Aufstiegschancen während für einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung das Risiko des sozialen Abstiegs deutlich zunahm. Wobei auch eine Entkoppelung von Löhnen und Kapitaleinkünften festgestellt wird. Während für das oberste Prozent der Einkommensskala herkömmliche Erwebseinkommen nur 5 Prozent ihrer Einkünfte ausmachen (die in letzter Zeit gerne skandalisierten steigenden Managergehälter makroökonomisch gesehen also relativ unbedeutend sind) und auch die obersten Segmente der vom DIW analysierten „Mittelschicht“ sich angesichts sinkender Erwerbseinkommen zunehmend in Kapitaleinkünfte flüchten, verfügt die Mehrzahl auch der Haushalte mit mittleren Einkommen mittlerweile über so gut wie keine Kapitaleinkünfte mehr.

Die Verfestigung der Klassenunterschiede macht sich auch dort verstärkt bemerkbar, wo diese vererbt werden, im Bereich der Kindheit, der Bildung und Erziehung. Ausgerechnet die Konrad-Adenauer-Stiftung legte im letzten Monat eine Studie vor, nicht nur den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft, Migrationshintergrund und Schulerfolg bestätigt, sondern auch feststellt, „dass sich in den jeweiligen Milieus einander fremde Sinn- und Wertehorizonte entwickeln, die unter dem Druck verstärkter Anforderungen an Bildung, Erziehung und Beruf (…) weiter auseinannderklaffen.“ Deutschland sei auf dem Weg in eine „neue Art von Klassengesellschaft“, wobei die Trennungslinie eben nicht nur über Einkommen und Vermögen, sondern auch über kulturelle Dimensionen wie etwa Bildungskapital und Bildungsaspirationen, aber auch Werte und Alltagsästhetik verlaufe. Die Autoren der Studie verweisen auf eine zunehmende soziale Entmischung von Stadtteilen und Lebensumfeldern sowie eine zunehmende Abgrenzung der bürgerlichen Milieus nach unten.

Dem wiedererstarkten Klassenbewusstsein des Bürgertums und den Abstiegsängsten der mittleren Klassensegmente jedoch steht inzwischen auch eine zunehmende Streikbereitschaft bestimmter Teile der unteren lohnabhängigen Segmente gegenüber. Die Frage, ob sich auch hier ein neues Klassenbewußtsein entwickelt und verfestigt, wäre ein lohnendes Aufgabenfeld für eine teilnehmende Feldforschung der zunehmend in den Strudel der Reproletarisierung gerissenen linken Milieus, die noch in den neunziger Jahren ihren Abscheid vom Proletariat allzu selbstsicher verkündet hatten. Mag auch ver.di sich am Ende mal wieder mit einem faulen Kompromiss blamieren, das Unbehagen der Menschen an der Klassengesellschaft wächst und es spricht vieles dafür, dass wir auf harte aber spannende Zeiten zugehen.

Lutz Getzschmann

Gekürzt erschienen in: Jungle World vom 13.03.2008

カテゴリ: IWW News and Events

Woher kommt die Bezeichnung “Wobblies”?

木曜, 03/06/2008 - 9:26pm

Eine Antwort auf eine häufig gestellte Frage an die IWW:

Woher die Bezeichnung “Wobblies” für Mitglieder der IWW ursprünglich stammt, das weiß letztendlich niemand wirklich. Vier Theorien gibt es dazu und keine davon hält genauerer Überprüfung statt.:

1. In Vancouver gab es 1911 einen chinesischen Wirt. Wer ihm eine Red Card, den Mitgliedsausweis der IWW zeigte, konnte bei ihm unbegrenzt anschreiben. Leider hatte dieser Wirt Schwierigkeiten das W (englisch: Double Ju) korrekt auszusprechen und fragte statt dessen „Ei Wobble Wobble?“, wenn er wissen wollte, ob sein Gast in der IWW war. Das machte der Erzählung nach, bei den damals von einer Zeitarbeitsfirma zur nächsten jagenden Arbeitern die Runde.

2. Die „Wobbly Saw“(die wabbelige Säge). In zwei Erwähnungen wird von einer besonderen Säge geredet, deren Sägeblatt schief eingespannt war, um breitere Keile in das Holz zu schneiden. Warum das zum Spitznamen von IWW Mitgliedern führen sollte bleibt ungeklärt.

3. Ein Thema der Woblies war immer der Holzschuh (französisch: le Sabot). Es wird überliefert, dass französische ArbeiterInnen ihre Holzschuhe in die Maschinen geworfen haben sollen, um diese zu stoppen und ihre Forderungen gegenüber den ArbeitgeberInnen damit zu untermauern. Die „Sabots“ sind in der IWW ein Symbol für Sabotage. Es gibt viele bildliche Darstellungen von IWW-Militanten in Holzschuhen. Nun, wer mit solchen Schuhen durch die Gegend läuft hat einen wankenden Gang. Ausserdem wird „Wobbling the Works“[etwa: „die Arbeit ins wanken bringen“] als Synonym für direkte Aktion verwendet. Daraus entstand Gerüchten zu Folge die Bezeichnung „die Wobblies“

4. Wobbly - Ein Schmähbegriff der Bosse. Verschmäht wurde die IWW von den Bossen seit dem es sie gibt. „IWW - Ich will Whiskey“ oder „IWW – I Won´t Work (Ich werde nicht arbeiten) sind bekannte Beschimpfungen. Wobbly könnte daher auch vom wankenden Gang des vorgeblich ewig betrunkenen IWW Arbeiter herrühren. Insbesondere Arbeit suchende Gelegenheitsarbeitern(den „Footless“), die von Stadt zu Stadt wanderten, wurde viel übel nach geredet. Möglich das aus solch bösen Gerede der Begriff Wobly seinen Ursprung hat.

Wo der Begriff wirklich her kommt werden wir wohl nie klären können. Im Grunde ist es auch einerlei. “Wobblies” hat sich eingebürgert und es ist ein eingängiger und wohlklingender Spitzname. Lassen wir es dabei. Sucht euch eine Entstehungsversion aus!

Quellen:
What is the origin of the term “Wobbly”?

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verfasst von Kai M., redigiert von Stuhlfauth

カテゴリ: IWW News and Events

GDL-Streik: Mit erhobenem Haupt

木曜, 03/06/2008 - 8:27pm

Ein Kommentar zum Streik der deutschen LokführerInnen
von Heiner Stuhlfauth

Der Pulverdampf hat sich verzogen, die Karawane ist weiter gezogen. Der GDL-Streik, der Anfang Januar 2008 mit Abschluss eines Tarif-Vertrages (voerst) befriedet wurde, ist – so fühlt es sich heute an – lange vorbei. Andere Konflikte sind gefolgt und überlagern die Erinnerung: Eine deprimierend wehrlose und unselbständige Belegschaft bei Nokia in Bochum, der Streik der Drehbuch-AutorInnen in den USA und die begonnenen Konflikte im öffentlichen Dienst und in der Metall-Branche (u.a. um 8% mehr Lohn).

Ohne Kaffeesatz-Leserei betreiben zu wollen, können wir davon ausgehen, dass der GDL-Streik bundesdeutsche Geschichte geschrieben hat. Denn er hat verschiedene Dinge deutlich gemacht:

  • Dass die Wirtschaft dieses Landes durch entschlossen und koordiniert handelnde ArbeiterInnen tatsächlich lahm gelegt werden kann.
  • Dass die globalisierte Wirtschaft an neuralgischen Punkten wie dem Transport extrem angreifbar ist. Andere solcher Punkte gilt es heraus zu finden.
  • Dass es eine Unternehmerklasse gibt, die vor keiner Diffamierung, keiner Lüge und keinem Trick zurückschreckt, wenn es um ihr ein und alles geht: den Profit.
  • Dass die BILD-Zeitung immer noch das aggressivste Sprachrohr der Unternehmerklasse ist. Deren Stärke besteht darin, in großen Teilen der arbeitenden Bevölkerung Gehör zu finden, immer einen Dreh zu finden, die Tatsachen so zu wenden und zu drehen, dass Neid, Missgunst und Zwietracht dabei heraus kommen. Ferner stellt BILD für andere Redaktionen eins der wichtigsten Leitmedien dar.
  • Dass man auch gegen die Stimmungsmache der bescheuerten deutschen Medien gewinnen kann, wenn man reale Macht in den Händen hält.
  • Dass der Klassenkampf keine Pause macht. Kaum ist der Tarifvertrag mit der GDL abgeschlossen, kontert die Bahn mit Fahrpreiserhöhungen (Schuld sollen natürlich die Lokführer sein!), versucht die SPD doch noch eine Bahn-Privatisierung hinzukriegen, kauft sich die Bahn bei Unternehmen in Frankreich und England ein (um sich für den Börsengang aufzuhübschen).
  • Dass die meisten Angestellten unter den Lokführern, auch im Westen, Ossis sind (während die Beamten Wessis sind).
  • Dass das Streikzentrum im Güterverkehr rund um den Rostocker Hafen lag. Dass aus dem Osten Deutschlands also nicht nur Neonazis, deprimierte Langzeitarbeitslose, rassistische Jammerlappen und arbeitsgeile LohndrückerInnen kommen.
  • Dass Linkspartei- und DKP-Vorstände tatsächlich immer noch der Einheitsgewerkschaft das Wort reden (wie Genosse Lenin es in seiner unendlichen Weisheit gelehrt hat), selbst wenn es um eine beschämende Streikbrecher- und und Klüngeltruppe wie transnet geht.
  • Dass mit DGB-Gewerkschaften wie ver.di und transnet kein Blumentopf zu gewinnen ist.
  • Dass eine schlanke Gewerkschaft (mit 35.000 Mitgliedern und nur 49 bezahlten Funktionären), die vor Ort von der Eigeninitiative ihrer Mitglieder lebt, im Ernstfall schlagkräftiger, ausdauernder und einfallsreicher ist.
  • Dass die 100-jährige Herrschaft der sozialdemokratisch verfilzten Einheitsgewerkschaften über die Gewerkschaftsbewegung nicht ewig währen muss. (In Berlin ist eine Betriebsgruppe BVG der bis dato unbekannten Gewerkschaft Verwaltung und Verkehr (GVV) entstanden, die ver.di direkt und erfrischend attackiert; in München laufen Bus- und StraßenbahnfahrerInnen zur GDL über.)

All diese praktischen und prinzipiellen Erkenntnisgewinne dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass es hinter den Kulissen der GDL zeitweilig heftig rumorte. Die Streikführung der Bosse Schell und Wesselsky wurde gegen Ende zunehmend unverständlich. Wirkte der Nervenkrieg aus Streikandrohung und wiederholter Verschiebung zunächst noch wie geschickte psychologische Kriegsführung, um die Gegenseite zu zermürben, begann diese Taktik, sowohl die eigene Basis als auch die Bevölkerung zu nerven.

Viele wollten, dass endlich mal ernst gemacht wird: Zwei Wochen durch streiken, der Bahn das Maul stopfen. So bleibt ein schaler Beigeschmack. Das Tarif-Werk ist unverständlich und verworren. Die 11 Prozent Lohnerhöhung gelten nicht für BerufsanfängerInnen. Gastro-Personal und ZugbegleiterInnen sind frühzeitig von den Verhandlungen ausgeschlossen worden. Die GDL muss sich zukünftig weiterhin mit transnet und GDBA abstimmen. Immerhin ist die Wochenarbeitszeit um eine Stunde verkürzt worden (von 41 auf 40 Stunden), was hoffentlich eine Trendwende bedeutet.

Von linker Seite wird in vielen Betrachtungen erwähnt: Es wäre mehr drin gewesen. Ich möchte zu bedenken geben: Immerhin gingen die LokführerInnen nicht als romantische Verlierer vom Feld, der Lieblingsrolle der Linksradikalen, sondern mit erhobenem Haupt.

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Der Text erschien als Kommentar in der libertären Monatszeitung “Graswurzelrevolution” Nr. 327, vom März 2008

カテゴリ: IWW News and Events